Mein erster Leonberger hieß Bruno. Ich holte ihn vor über zehn Jahren von einem Züchter, der mir sagte: „Der wird höchstens achtzig Kilo.“ Bruno brachte es auf einhundertzehn. Ich war jung, unerfahren und dachte, ein großer Hund sei einfach ein großer Hund. Heute weiß ich, dass Leonberger eine ganz eigene Welt sind. Sie sehen aus wie sanfte Bären, aber sie fordern dich heraus. Wer einen Leonberger will, muss bereit sein, sich selbst zu hinterfragen. Der Hund spiegelt deine Laune, deine Disziplin, deine Geduld. Nach all den Jahren habe ich eine einfache Wahrheit gelernt: Es geht nicht um die Größe des Hundes, sondern um die Größe deiner Verantwortung.
Als ich anfing, selbst zu züchten, besuchte ich viele Foren und las Bücher. Aber die beste Entscheidung war, auf eine Seite zu stoßen, die sich nur mit Leonbergern beschäftigt – www.leonberger-hunde.co. Dort fand ich Erfahrungsberichte von Haltern, die nicht beschönigen. Die Seite hat mir geholfen, meine Herangehensweise komplett zu ändern. Ich lernte, dass ein Leonberger kein Hund für Anfänger ist, auch wenn er oft als Familienhund beworben wird. Das klingt hart, aber es ist die Wahrheit.
Die typischen Fehler neuer Besitzer
Ich habe selbst viele Fehler gemacht. Den ersten habe ich schon erwähnt: die falsche Einschätzung des Endgewichts. Aber es gibt noch andere, die ich immer wieder bei neuen Haltern sehe.
- Sie unterschätzen den Bewegungsdrang eines jungen Leonbergers. Viele denken, ein großer Hund braucht nur kurze Spaziergänge. Falsch. In den ersten zwei Jahren brauchen sie täglich mindestens eine Stunde Auslauf, sonst wird die Wohnung zum Opfer.
- Sie vernachlässigen die frühe Sozialisierung. Ein Leonberger, der nicht an andere Hunde, Kinder und laute Geräusche gewöhnt ist, wird unsicher und kann aggressiv reagieren. Das ist keine Bosheit, sondern Unsicherheit.
- Sie füttern nach Bauchgefühl statt nach Nährstoffbedarf. Leonberger neigen zu Magendrehung und Übergewicht. Ich habe gesehen, wie ein falscher Futterplan einen gesunden Hund in zwei Jahren ruiniert hat.
Diese Punkte sind nicht neu, aber sie werden immer wieder ignoriert. Viele Leute kaufen einen Leonberger wegen des Fells oder des ruhigen Blicks – und merken zu spät, dass ein Welpe dieser Größe wie ein kleiner Elefant durchs Haus tobt.
Worauf es bei der Haltung wirklich ankommt
Nach zehn Jahren kann ich sagen: Die Haltung eines Leonbergers ist eine Lebensentscheidung. Du musst deinen Alltag umstellen. Ich habe mein Auto gegen einen Kombi getauscht, weil der Kofferraum für die Transportbox zu klein war. Ich habe gelernt, immer einen Eimer und einen Lappen dabei zu haben, weil Sabber nun mal dazugehört. Und ich habe akzeptiert, dass ich jeden dritten Tag staubsaugen muss.
- Ein Leonberger braucht einen Garten. Kein Balkon, kein kleiner Hof. Ein Garten, in dem er sich strecken und toben kann. Ohne Auslauf wird er unruhig und zerstörerisch.
- Die Fellpflege ist kein Hobby, sondern eine Notwendigkeit. Täglich bürsten, sonst verfilzt das dichte Unterfell. Ich habe zwei Jahre gebraucht, um eine Routine zu finden, die nicht nervt.
- Krankheitsvorsorge ist teuer. Hüftdysplasie, Herzerkrankungen, Krebs – Leonberger haben eine Liste erblicher Probleme. Eine gute Versicherung ist kein Luxus, sondern Pflicht.
Ich will damit nicht abschrecken. Ich will klar machen, dass diese Hunde nichts für bequeme Menschen sind. Wenn du bereit bist, dich anzupassen, bekommst du einen treuen Begleiter, der dich jeden Tag zum Lachen bringt – und manchmal auch zum Fluchen.
Wie man den richtigen Züchter findet
Hier liegt der Kern des Problems. Viele Züchter verkaufen Leonberger wie Ware. Sie zeigen nur die schönen Bilder, die gesunden Welpen. Sie verschweigen, dass die Elterntiere nicht auf Hüfte getestet sind oder dass der Wurf aus einer Verpaarung mit zu engen Linien stammt. Ich rate jedem: Such dir einen Züchter, der dir alle Gesundheitsnachweise zeigt. Frag nach den Ergebnissen der HD- und ED-Untersuchungen. Lass dir die Stammbäume zeigen. Ein seriöser Züchter freut sich über solche Fragen. Ein unseriöser wird ausweichen oder patzig reagieren.
Die Seite, die ich vorhin erwähnt habe, gibt dazu konkrete Checklisten. Dort stehen auch Adressen von Züchtern, die nach strengen Kriterien arbeiten. Ich selbst habe zwei meiner Hunde über Empfehlungen von dort bekommen. Beide sind gesund und ausgeglichen. Das ist kein Zufall.
Am Ende zählt nicht das Aussehen, sondern die Gesundheit und das Wesen. Ein Leonberger kann zwölf Jahre alt werden – wenn du alles richtig machst. Ich wünsche dir, dass du diese Zeit genießen kannst, ohne in die Fallen zu tappen, in die ich getappt bin. Fang früh an zu lernen. Fang heute an.